7. Orientalischer Abend des Tanz-Duos Sando

Am vergangenen Samstag fand im Bürgerhaus in Neunkirchen bereits zum 7. Mal die Orientalische Nacht statt, präsentiert von der Neunkircher Kulturgesellschaft und organisiert vom Tanz-Duo SanDo. Da ich ausnahmsweise an dem Wochenende nicht verplant war und mir gern ansehen wollte, was die Kolleginnen so alles auf die Beine stellen (das Zusammenbringen der saarländischen Bauchtanz-Szene ist mir ja auch ein persönliches Anliegen), habe ich mir kurzerhand einige meiner Schülerinnen geschnappt, um mir die Show anzusehen.

Unsere beiden Gastgeberinnen Sandra Marino und Dominique Koch leiten seit fast zehn Jahren die Bauchtanz-Kurse an der VHS in Neunkirchen. Wie sie selbst immer wieder betonen, favorisieren sie den „klassischen orientalischen Tanz“, was sich auch im Programm des Abends niederschlug: Tribal, Tribal Fusion oder sonstige „moderne“ Einflüsse suchte man (bis auf eine Ausnahme) vergeblich.

Der Abend fand im Neunkircher Bürgerhaus statt, das ich schon von anderen Veranstaltungen her kannte und mir ausgesprochen gut als Eventlocation gefällt: Ein schönes Foyer, ein Getränkeausschank mit akzeptablen Preisen und vor allem ein hübscher Konzertsaal mit großer Bühne und (soweit man das von außen beurteilen kann) solider Technik schufen einen guten Rahmen für einen unterhaltsamen Abend. Alle Gäste wurden von zwei wirklich süßen Mädchen sowie einem jungen Mann begrüßt und mit Programmheften versorgt, was ich sehr charmant fand. Wie sich später herausstellte, handelte es sich hierbei um die SanDo Kids, die im ersten Teil einen wirklich zauberhaften Tanz mit Isiswings (die Mädels) bzw. Stock (der Junge) gezeigt haben. Nicht nur ich war wirklich hingerissen von diesem Tanz-Nachwuchs.

Direkt am Eingang zum Hauptsaal hatte eine Händlerin einen kleinen Stand mit Bauchtanz-Kostümen und Accessoires aufgebaut, was ich grundsätzlich als Bereicherung eines solchen Events empfinde. Da es sich aber durchweg um „klassische Bauchtanz-Sachen“ handelte (passend zum Programm), war das Angebot für uns eher weniger interessant und so vertrieben wir uns die Zeit bis zum Beginn der Show mit einem kühlen Getränk und netter Unterhaltung.

Gegen 20 Uhr waren etwa die Hälfte der rund 450 Sitzplätze belegt (schätze ich mal) und die Show begann mit einem wirklich eindrucksvollen Schleiertanz des Gastgeber-Duos samt aller (!) Schülerinnen. Ich hab sie natürlich nicht gezählt, aber es müssen über 20 Frauen auf der Bühne gewesen sein, die alle in der Farbkombination rot-gelb-orange gekleidet waren und mit ebenso farbigen Schleierfächern tanzten. Die entstehenden Bühnenbilder waren sehr beeindruckend und ich zolle den Damen meinen Respekt für ihre Koordination im Raum.

Auch die sonstigen Gruppentänze der Formationen El Tarab und Habibi haben mich überzeugt. Natürlich muss man im Hinterkopf behalten, dass es sich bei diesen Frauen nicht um Profi-Tänzerinnen, sondern Schülerinnen von VHS-Kursen handelt und natürlich gab es innerhalb der Gruppen zum Teil auch ein starkes Gefälle, was das tänzerische Niveau anging, aber der Gesamteindruck war sehr positiv: Alle Frauen tanzten ihre Choreos sauber und ohne größere Fehler und vor allem (für mich ungleich wichtiger) mit Spaß an der Sache und einem schönen Ausdruck. Die Choreographien schienen mir von den Bewegungen her eher einfacher gehalten, was aber keinen Mangel darstellt. Schön fand ich vor allem die vielen „Bühnenbilder“, bei denen mehrere Frauen besondere Formationen einnahmen, um ein besonderes Bild zu erzeugen. Ein echter Hingucker! Auch die Musikauswahl war gelungen.

Schade fand ich, dass wenig Wert auf Gruppenkostüme gelegt wurde. Ich habe großes Verständnis dafür, wenn nicht alle das gleiche Kostüm tragen, weil z.B. einer Tänzerin ein bestimmter Schnitt nicht steht, sie nicht bauchfrei tragen will oder sie schlicht keine großen Beträge investieren kann. Dennoch finde ich es immer schöner, wenn man sich zumindest auf eine bestimmte Farbe, ein „Thema“ oder einen bestimmten Schnitt einigt. Wenn z.B. manche Tänzerinnen weite Chiffon-Röcke tragen, andere enganliegende Nixenröcke und wieder andere sogar Hosen, stimmt für mich das Gesamtbild nicht. Bei zwei Tänzen fand ich es auch bedauerlich, dass das Kostüm nicht auf das Thema angepasst war: Der zweite Teil der Show wurde von der Gruppe El Tarab mit einem Pharaonentanz eröffnet – leider in „normalen“ klassischen Raks-Sharqi-Kostümen. Einige der Frauen hatten sich zwar ein Art „Schürze“ an die Vorderseite ihres Gürtels geheftet, aber hier hätte man meiner Meinung nach mit wenig Aufwand viel mehr herausholen können, z.B. durch goldene Wickeloberteile oder entsprechendes Make-Up und Hairstyling. Die Gruppe Habibi hatte sich für ihr Folklore-Stück etwas besonderes ausgedacht: Die Idee war, dass zwei verschiedene Frauengruppen („edle Damen“ und „frivole Frauenzimmer“) sich zufällig auf einem orientalischen Markt treffen und gegeneinander „antreten“, eine wirklich coole Idee, die auch mit besonderer Bühnendeko unterstützt wurde. Leider konnte man die beiden Gruppen nicht anhand ihrer Kostüme unterscheiden, was ich persönlich wirklich sehr schade fand, zumal die Mädels das Thema nämlich tänzerisch und auch schauspielerisch wirklich gut umgesetzt haben.

Neben den erwähnten Gruppen und den beiden Gastgeberinnen traten zwei weitere Künstlerinnen auf, zum einen Danyiela Djumana (von der ich leider keine weiteren Informationen im Netz finden konnte), zum anderen die bekannte Tänzerin Enussah aus Nürnberg. Passend zum allgemeinen Motto des Abends waren auch ihre Darbietungen sehr klassisch mit typischen Raks-Sharqui-Elementen und ich muss zugeben, dass ich – obwohl meine Wurzeln ebenfalls hier liegen – oft so meine Probleme mit dieser Art von Darbietung habe (vielleicht schreibe ich dazu mal einen eigenen Artikel). Enussah hat mich allerdings – v.a. mit ihrer ersten Darbietung – wirklich überzeugt. Technische Perfektion gepaart mit Eleganz und einer unglaublichen Sinnlichkeit – einfach bezaubernd. Wenn klassisch, dann so!

Enussah war es auch, die als einzige mit einer Performance aus dem klassischen Rahmen fallen sollte, und bei der Ankündigung ihrer zweiten Darbietung, horchten meine Mädels und ich merklich auf: Ein Tanz mit gleich drei Federboas und das zur Musik „After Dark“ aus dem Vampir-Klassiker „From Dusk Till Dawn“. Ich war sehr gespannt, immerhin ist Gothic BellyDance mein tänzerischer Schwerpunk und der genannte Titel gehört zum Standard-Repertoire. Leider muss ich sagen, dass die Umsetzung von Enussah mich nicht überzeugt hat. Ihr Kostüm war vom Schnitt her sehr schön (ein vorne offener Überrock über einer Hose aus Spitze), passte aber weder vom Stil her (für mich mehr Dark Cabaret oder Burlesque) noch von der Farbe (irgendwie gold-metallic). Ein echter Eyecatcher war jedoch die Schlange, die sich von ihren Hüften zum Dekolleté wand. So was will ich auch! Der Tanz selbst war für meinen Geschmack zu unruhig bzw. hart (damit meine ich, dass Enussah an Stellen Akzente gesetzt hat, an denen ich mehr auf Wellen und Schleifen gesetzt hätte) und von zu vielen klassischen Elementen und Posen geprägt. Die Rolle des Vamp scheint auch irgendwie nicht zu Enussah zu passen, sie tanzte mir irgendwie zu „sauber“ und für meinen Geschmack nicht verrucht genug. Aber hier scheiden sich sicher die Geister: Wer sich die Choreo mal ansehen will, kann es hier tun (allerdings trägt Enussah hier ein anderes Kostüm).

Abschließend kann ich sagen, dass ich den Abend sehr genossen habe (nicht zuletzt dank meiner Begleiterinnen Angela, Nicole, Saskia und Simone – danke für lustigen Abend!), auch wenn mein Bedarf an Glitzer, Pailetten und Strass für die nächste Zeit erst einmal gedeckt ist😉

Hüftschwingende Grüße

Eure Asherah

PS: Leider durfte man – wie üblich – während der Show keine Fotos machen. Sobald ich welche im Netz entdecke, poste ich hier den Link.

One thought on “7. Orientalischer Abend des Tanz-Duos Sando

  1. […] mag es nicht, wenn Gruppen nicht in einheitlichen Kostümen tanzen. Das hatte ich auch bei anderen Shows schon angemerkt. Es müssen nicht alle exakt das gleiche tragen, aber ein Konzept wäre schon toll. […]

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