Shut up!

 

Ich gebe zu: Dafür, dass ich seit über 12 Jahren tanze, habe ich noch gar nicht so schrecklich viele Bauchtanz-Shows gesehen, was  zum großen Teil daran liegen mag, dass das Saarland leider in vielerlei Hinsicht eine kulturelle Provinz ist.

Manche der Shows waren klassisch, v.a. in meiner Anfangszeit, später ging es dann mehr Richtung Tribal und Fusion. (An dieser Stelle ein kleiner Gruß an meine liebe Kollegin Xahira: Eurer Orient Desaster ist und bleibt ein großer Spaß, vielleicht organisier ich in diesem Jahr wieder einen Klassenausflug zu Euch!) Ich hab Schülerinnen auf Abschlussfesten ebenso tanzen sehen wie große Stars auf Abendgalas, Veranstaltungen auf großen Bühnen mit hohem technischen Aufwand und aufwändigem Bühnenbild ebenso wie einfache, aber liebevoll gestaltete Events in schäbigen Clubs oder Uni-Mensen und alle waren ganz unterschiedlich, so dass man sie sicher nicht über einen Kamm scheren kann.

Eine Sache ist mir allerdings schon immer negativ aufgefallen – und leider scheint dies vor allem bei den klassischen Bauchtanz-Shows vermehrt aufzutreten.

Ich spreche von der Moderation.

Ihr kennt das sicher alle – gerade hat man Platz genommen, noch ein bißchen mit den Freundinnen gequatscht, dann gehen die Lichter im Saal aus und die Show beginnt mit einem (hoffentlich) vielversprechenden ersten Stück. Man lehnt sich zurück und freut sich auf weitere Darbietungen, da betritt er die Bühne. Der Moderator. Meistens irgendein armer Mann, vermutlich mit einer der Tänzerinnen verheiratet oder sonstwie verwandt, in einem pseudo-orientalischen Outfit und mit einem Stapel Kartei-Karten bewaffnet, auf dem die Organisatorin der Show dem bemitleidenswerten Kerl ellenlange Sätze über die anstehenden Tänze und die auftretenden Künstlerinnen notiert hat – mit unaussprechlichen Namen und Fachbegriffen in arabisch, türkisch, englisch oder suaheli.

Bin ich eigentlich die einzige, die das wirklich unerträglich findet?

Zum einen muss ich zugeben, dass die vorgetragenen Fakten mich in den meisten Fällen leider wirklich nicht interessieren. Wie lange eine Künstlerin tanzt und bei wem sie ihre Ausbildung genossen hat, interessiert mich nur am Rande, denn ich will mit eigenen Augen sehen, was sie drauf hat. Wir wissen doch alle, dass ein Workshop bei XY (beliebigen Namen einsetzen) oder ein was-auch-immer-Zertifikat noch keine Garantie für eine gute Performance ist und ich hab schon manche „Anfängerin“ gesehen, die mich mit ihrem Ausdruck bezaubert hat. Verzichten kann ich übrigens auch auf Ankündigungen wie „Laila (Name beliebig) tanzt mit Leidenschaft“ oder „Aische liebt den Orientalischen Tanz“. Wenn eine Frau auf die Bühne geht, um zu tanzen, geh ich in der Regel einfach mal davon aus, dass sie liebt, was sie tut und ihr ganzes Herzblut in den Tanz legt.

Also: Wenn schon eine Moderation, dann bitte mit Infos, die wirklich interessant sind! Die Tänzerinnen sollten meiner Meinung mit ihrer Darbietung für sich selbst sprechen – ihre Namen und weitere Infos, die man vielleicht als wichtig erachtet, kann man getrost in ein Programmheft packen, da kann der Zuschauer auch zuhause in Ruhe nochmal alles nachlesen. Wenn er denn will.

Und nun noch ein zweiter Punkt, weswegen ich die meisten Moderationen unerträglich finde: Sie sind in der Regel einfach schlecht. Sorry, wenn ich da jemandem auf die Füße trete! Ich weiß, diese Menschen opfern ihre Zeit und geben sich Mühe und ich finde es prinzipiell immer großartig, wenn Leute sich einbringen. Aber wenn ich noch einmal einen Moderator erleben muss, der ohne jegliches Talent zum Entertainer mit leidenschaftslos-monotoner Stimme ihm vorgeschriebene Texte abliest, die er sich anscheinend im Vorfeld noch nicht einmal angeguckt, geschweige denn geübt hat, dann … naja, vermutlich sitze ich dann eben wie immer gelangweilt im Publikum und ärgere mich still vor mich hin. Aber manchmal hab ich so Szenen vor meinem inneren Auge, wie ich aufstehe und laut „laaaangweilig“ rufe. Oder auf die Bühen springe und den Moderator mit seinen Karteikarten von derselben herunter prügele😉

Unter uns: Ich kann es auch nicht. Moderieren mein ich. Fordert mich in einem Raum voller fremder Menschen auf, spontan zu tanzen und ich tu es, ohne mit der Wimper zu zucken. Sagt mir, ich soll am Abend ein Mikro in die Hand nehmen und jemand anmoderieren und mir ist den ganzen Tag über schlecht😉 Auf unserer jährlichen Hafla in meinem Studio rede ich mich deshalb auch (ohne Karteikarten) immer um Kopf und Kragen und hoffe, wenigstens etwas charmant zu wirken. Das ist aber auch eine ganz kleine und v.a. familiäre Veranstaltung. Auf unserer großen Show im Mai werden Ariel und ich bewusst auf eine Moderation verzichten. Wir wollen unsere Zuschauer in eine andere Welt entführen und da soll er dann auch von Anfang bis Ende bleiben, ohne störende Zwischenmeldungen.

Was übrigens auch gar nicht geht: Ellenlange Danksagungen am Schluss. Ich weiß, an einer Show arbeiten viele, viele Menschen mit, auf der Bühne und hinter den Kulissen. Aber der Zuschauer soll doch mit einem grandiosen, spektakulären Finale verabschiedet werden und den Saal beschwingt verlassen und nicht noch minutenlang gelangweilt auf seinem Platz sitzen müssen. Für die Namen aller auftretenden Tänzerinnen, für die Erwähnung der wichtigen Leute an der Technik und der vielen anderen Helfer sowie für ganz persönliche Danksagungen gibt es doch … genau. Das Programmheft.

Hüftschwingende Grüße

Eure Asherah

4 thoughts on “Shut up!

  1. Mellany Amar sagt:

    Liebe Asherah,
    nein, Du bist nicht die Einzige – ich sehe das ganz genauso.
    Mir sind ein Flyertisch, auf dem ich gezielt die Werbung der Tänzerinnen, die mir gefallen haben, heraussuchen kann, sowie ggf. ein Programmblättchen, auf dem die Namen, der Tanz, die Musik und gerne auch noch die Internetseite stehen, lieber… Und die Möglichkeit, nach der Show auf der Internetseite der Veranstalter noch mal Bilder der Tänzerinnen und Links zu finden.
    Das alles würde einen Großteil des ellenlangen und oft unprofessionellen Gelabers während der Shows ersetzen…
    Liebe Grüße,
    Melanie

  2. Bene sagt:

    Hmja… ich schreibe Arzos Ansagetexte und muss dann zusehen, wie sie von der Moderation massakriert werden. Mit der Zeit wurden sie immer kürzer. Erfahrungswert: weniger Inhalt =gleich= weniger Dinge, die ausgewalzt, aus dem Zusammenhang gebracht oder mit ironischem Unterton abgelesen werden können.

    Wenn es schon nicht möglich ist, einen moderatorensicheren Text zu schreiben (und das war ein paar Jahre lang ein regelrechtes Hobbyprojekt von mir), dann konnte man zumindest Schadensbegrenzung betreiben.

    Das kommentierte eine Moderatorin dann mit Häme. „Die glauben ja alle, dass ihr Tanz schon für sich spricht.“ Ich erwiderte, doch, das glaube ich auch, so als professioneller Im-Publikum-Seier und Tänzerinnen-Angucker, und führte dann auch meine einschlägigen Erfahrungen mit Moderation im Allgemeinen und Bauchtanzmoderation im Speziellen an. „Dann habt ihr ja offensichtlich wohl noch nie mit einer professionellen Moderatorin zusammengearbeitet.“ (hier unnachahmlich herablassenden Unterton einfügen). Ich lächelte, winkte und erwiderte sinngemäß, Sie haben meine Daten, arbeiten Sie damit, Ihre Meinung zu Professionalität geht mich (als Unbeteiligten) dann ja persönlich nichts an.

    Muss ich erwähnen, wie die Moderation an diesem Abend war?

  3. […] recht überzeugen – aber dass ich kein Freund von moderierten Shows bin, habe ich bereits in diesem Artikel dargelegt. (Kalibo: Falls Du das hier liest: Du bist die bisher einzige mir bekannte Ausnahme […]

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