meine erste Bauchtanz-Lehrerin

Nachdem ich vor kurzem erste Beiträge zu „things“ und „classes“ geschrieben habe, soll heute auch die Kategorie „people“ zum Leben erweckt werden. Ich habe lange hin und her überlegt, mit welcher Person ich beginnen soll, habe ich doch im Lauf der Jahre unzählige Menschen getroffen, die mich inspiriert, motiviert, unterstützt, beflügelt haben.

Doch dann wurde es mir schlagartig klar: Wer könnte den Reigen besser eröffnen als meine erste Bauchtanzlehrerin?

Ich habe *an-den-fingern-abzähl* vor etwa 12 Jahren mit Orientalischem Tanz begonnen. Wenn ich an Zufälle glauben würde, würde ich sagen, ich kam durch Zufall dazu. Tu ich aber nicht, deswegen sage ich lieber: Es war Bestimmung. Ich, damals noch Anfang 20 und zuhause wohnend, schlug das Programm der Volkshochschule auf mit dem Gedanken, ich könne mich doch mal sportlich betätigen. Und ging zu meiner ersten Bauchtanz-Stunde. Und war verfallen.

Das lag nicht zuletzt an meiner wundervollen Lehrerin. Sie hatte keinen Künstlernamen. Sie hatte nicht bei namhaften Dozentinnen gelernt. Sie besaß schon gar kein wie auch immer geartetes Zertifikat. Die Worte „Primärbewegung“ oder „Sagitalebene“ hab ich aus ihrem Mund nie gehört. Sie hieß schlicht „Elke“ (damals Dühr, aber ich glaube, inzwischen hat sie geheiratet) und unterrichtete seit Jahren an der VHS in Völklingen.

Ihre Leidenschaft für das Tanzen und ihr einfühlsames, kreatives Training haben in mir den Grundstein für meinen weiteren Werdegang als Tänzerin gelegt. Sie hatte von Anfang an auch einen unerschütterlichen Glauben in mich und hat mich immer motiviert, weiterzumachen. Ich erinnere mich noch an eine Stunde, in der ich mich verzweifelt bemühte, stehende Achten mit Shimmies zu tanzen. Obwohl es mir nicht mal ansatzweise gelang, meinte Elke, dass diese Bewegung sicher mal einer meiner Lieblingsbewegungen werden würde. Und sie hatte Recht!

Was ich ganz großartig an Elke fand, war, dass sie nie mit ihrem Wissen hinter dem Berg hielt. Sie hat uns alles weitergegeben, was sie wusste, uns Musik empfohlen und gezeigt, wie man sich preiswert ein Kostüm bastelt (übrigens hat man sich „damals“ tatsächlich Christbaumschmuck an den BH genäht …). Sie hat uns immer ermuntert, Workshops und Kurse bei anderen Dozentinnen zu besuchen, um andere Tanzstile kennenzulernen. Sie hatte kein Problem damit, zu sagen, wenn sie irgendetwas bestimmtes nicht konnte. Wir haben z.B. nie eine Choreo bei ihr gelernt (und das kann man sehr wohl als Pluspunkt sehen, denn bei ihr habe ich gelernt, zu improvisieren!) und es gab nie irgendwelche Unterlagen oder Skripte. Beides lag ihr einfach nicht – aber sie hatte auch nichts dagegen, dass ich mich in diesen Bereichen ein wenig einbrachte.

Sie war immer mehr als „nur“ eine Tanzlehrerin, sie hatte ein offenes Ohr für unsere Sorgen und Probleme. Sie wusste um die heilende Kraft des Tanzes, ohne in pseudo-esoterische Bereiche abzudriften. Zum Semesterende gab es immer ein Abschlussfest mit viel Tanz, Lachen und gutem Essen.

Elke hat mich auch zu meinem allerersten Auftritt in einem Restaurant mitgenommen, mir was zum Anziehen geliehen und mir viele wichtige Tips und Tricks verraten. Wir tanzten damals in einer Shisha-Bar in Saarlouis und ich war natürlich höllisch aufgeregt. Als Auftrittsstück hatte Elke unter anderem Eshta ya Amar von Mokhtar al Said ausgewählt. Kennt Ihr das? Es dauert über neun Minuten und davon sind mindestens zehn Shimmies, Shimmies, Shimmies! Ich dachte, sie will mich umbringen *lach* Und wisst Ihr was: Heute ist Eshta mein favorisiertes Auftrittsstück in Restaurants oder auf Privatfeiern. Ich liebe es!🙂

Irgendwann hab ich dann bei Elke aufgehört, weil es keinen Fortgeschrittenen-Kurs bei der VHS gab und ich in der Zwischenzeit angefangen hatte, selbst zu unterrichten. Vor einiger Zeit habe ich versucht, sie zu erreichen, aber es leider nicht geschafft. Elke, falls Du durch irgendeinen Zufall das hier liest: Danke.

Hüftschwingende Grüße

Eure Asherah

4 thoughts on “meine erste Bauchtanz-Lehrerin

  1. Mellany Amar sagt:

    Liebe Asherah,
    mir ging es genauso :)!
    Ich war ein bischen jünger, wollte (naja musste eher) mich wg. Rückenschmerzen sportlich betätigen und habe zwei Seiten nach dem langweiligen Rückenschulangebot im VHS-Programm den Bauchtanzkurs entdeckt (der ebenfalls ganz toll für den Rücken sein sollte ;)). Also hin (damals war das noch etwas Exotisches) und von der ersten Stunde an wußte ich: Das ist genau mein Ding!
    Heute tanze ich seit 17 Jahren und habe seit fast 5 Jahren meine eigene Schule für orientalischen Tanz🙂.
    Meine erste Lehrerin ist mir ebenfalls sehr positiv im Gedächtnis geblieben und die Beschreibung Deiner Lehrerin erinnert mich sehr stark an sie… Wenn ich überlege, was ich dieser Frau (zu der ich schon lange keinen Kontakt mehr habe, auch sie hat geheiratet und ist weggezogen) verdanke. Und, dass wir das damals nicht im Mindesten geahnt hätten😉.
    Liebe Grüße,
    Melanie

    • Hallo Melanie,
      danke für Deinen Kommentar. Ja, wer hätte damals gedacht, wohin uns das führt😉 Mal wieder ein guter Beweis dafür, wie sehr kleine Dinge unser Leben verändern können! Dein Studio ist ja auch wirklich großartig (war ja schon mal da) und Deine Projekte klingen immer total spannend – weiterhin viel Erfolg!
      Liebe Grüße
      Tanja

  2. djami sagt:

    Ich kenne Elke von früher, sie heißt Elke Schönlaub(das ist ihr Mädchenname) und hatte bis dato ein Massage-und Wellnessstudio in Völklingen. Und ja, sie ist toll!!!

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