„Eine Tänzerin in jeder Frau“ (Teil 2) – Die Geschichte von IS

In meinem vorherigen Post habe ich erzählt, dass ich meine Schülerinnen gebeten habe, mir ein oder zwei Sätze zu schreiben, warum sie Bauchtanz machen, welche positiven Erfahrungen sie damit gemacht haben oder warum sie dieses Hobby empfehlen würden. Einige ihrer Rückmeldungen möchte ich Euch hier weitergeben.

Den Anfang macht IS, eine meiner langjährigen Schülerinnen, die ich sehr schätze. Sie hat mir einen sehr langen Bericht über eine verblüffende Geschichte erzählt, die Mut und Hoffnung macht und die Euch hier in Auszügen wiedergebe (natürlich mit ihrem Einverständnis).

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Bauchtanz und Bandscheibenvorfall

Alles fängt mal harmlos an. Für meine ständigen Verspannungen durch Computerarbeit wurde mir Gerätetraining empfohlen. Außer daß ich vor Langeweile fast von den Geräten gefallen bin und diese auch nicht besonders kommunikativ sind, brachte es bei mir sehr wenig. Bis eine Ärztin (Betonung liegt auf /IN) mir zu Bauchtanz geraten hat. So tummelte ich mich dann in einigen VHS-Kursen – klassisch OT. Irgendwann verabschiedete ich mich von der „rosa Prinzessin“ und auch die „jugendliche Geliebte“ nahm mir keiner mehr so richtig ab. Ich suchte nach Alternativen.
Gothic für Anfänger, Workshop.

Eine Woche vorher, Autorempelei mit erstem kleinem Bandscheibensyndrom. „Darf ich Bauchtanzen gehen“, habe ich meinen Arzt gefragt. Darauf folgt bei Ärzten meist ein komplett verstörter Blick. „Ei diese Bewegungen“. „Ja, genau diese Bewegungen sind optimal“. Ich weiß gar nicht mehr wie vielen Ärzten, Neurologen und Neurochirurgen ich seitdem vorgetanzt habe.


Im Gothic-Workshop war ich die volle Nulpe; kriegte die Arme nicht hoch und konnte mich nicht gerade halten. Trotzdem hat die Dozentin mich in Ihren Kurs gelassen
Durch das jetzt regelmäßige Training wurden die Verspannungen besser und ich hatte erst mal Ruhe.

Ein Auftrittsprojekt wurde geplant. Wir werden Raben sein. Meine Güte, ICH werde auf einer Bühne stehen und tanzen.

Dann zweite Autorempelei. Danach Bandscheibenvorfall, volles Programm: Taubheitsgefühl, Lähmungen, Nervenkrämpfe usw. Es soll operiert werden – Versteifung. Natürlich kann ich hinterher noch tanzen. Klassische Rollen wären dann: R2D2, Cylonen oder eine Nordmanntanne. Obwohl einen Weihnachtsbaum zu tanzen etwas für sich hat. Ja, ich gestehe, manchmal holt mich meine Glitzerphase wieder ein. Ich suche also jemanden der mich NICHT operieren will. Es geht – es ist der lange, sehr unangenehme Weg. Aber verdammt, ich wollte einfach tanzen und ich wollte zum ersten Mal auf einer Bühne auftreten, weil es etwas ist, was ich mir selbst beweisen wollte. Und weil es kein „später mal“ gibt. Ich höre meine innere Uhr im Bauch ticken. Nein, ich bin nicht das Krokodil aus Peter Pan. Aber ich bin genauso stur. Und ich habe ein Ziel.

Ich habe es geschafft. „Rosa Wölkchen“ Infusionen, Stimmungsschwankungen durch Schmerzmittel, manchmal hing der Arm wie ein totes Tier herunter, manchmal ging gar nix mehr. Ich habe es geschafft. 

Aus der Sicht von ca. 2 Jahren später war es die beste Entscheidung. Der Wunsch aufzutreten oder zumindest eine einigermaßen gute Figur zu machen (manchmal habe ich immer noch die Eleganz eines schwangeren Orang-Utans), hat mich dazu gebracht, die inneren Monster klein zu kriegen. Die Bewegungen des Tanzes haben super in mein Heil-Konzept gepaßt. Und es hat sogar Sauspaß gemacht. Diesen Auftritt kann mir keiner mehr nehmen.

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Soviel zur Geschichte von IS. Sie hat noch einiges mehr aufgeschrieben, davon soll ein anderes Mal berichtet werden.

Liebe IS:

Danke für Deine Offenheit! Ich bin so stolz auf Dich. Und für unser nächstes Projekt schreib ich Dir eine Nadelbaum-Choreo🙂

 

Hüftschwingende Grüße

Eure Asherah

4 thoughts on “„Eine Tänzerin in jeder Frau“ (Teil 2) – Die Geschichte von IS

  1. haascore sagt:

    Wenn die Frau IS als Tannenbaum auftritt, bastel ich ihr höchstpersönlich eine Christbaumspitze! In echt jetzt!

    Eine tolle Geschichte. Von euch beiden!🙂

  2. Loumi sagt:

    Also ich liebe liebe liebe ja Orang Utans, aber der Vergleich wär mir bei Frau S. bestimmt nicht eingefallen.

  3. […] Fehlhaltungen können ausgeglichen werden. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf die bewegende Geschichte der IS hinweisen, die mit dem tanzen erfolgreich einer Bandscheiben-OP entgangen […]

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