Die Sache mit dem Künstlernamen

Als ich vor vielen, vielen Jahren anfing, aufzutreten, war für mich sonnenklar: Ein „Künstler“name musste her. „Jetzt tanzt die Tanja aus Völklingen für Euch Bauchtanz“ klingt einfach nicht so prickelnd. Immerhin wollte ich doch meine Zuschauer in eine Welt wie aus 1001 Nacht entführen (damals habe ich noch gaaaaaanz klassisch getanzt). Außerdem haben doch viele Künstler ein Pseudonym. Als in anfing zu tanzen, war es eigentlich die Regel, dass man vor dem ersten Auftritt das Internet nach möglichen Namen durchsuchte und sich durch diverse Listen scrollte – wenn man nicht das Glück hatte, eine arabisch oder türkisch sprechende Freundin oder Lehrerin zu haben (was ich beides nicht hatte). Eine umfangreiche Liste dieser Art gibt es z.B. auf www.bauchtanz-info.de, dort gibt es auch unter dem Titel „Künstlername – ja oder nein“ einen kleinen Artikel, im übrigen ganz klar PRO Künstlername.

Mir wäre es tatsächlich nie in den Sinn gekommen, mir KEINEN Künstlernamen zu suchen. Dass man das auch anders sehen kann, ist mir erst in den letzten Jahren aufgegangen, z.B. durch Gespräche mit meiner lieben Kollegin Arzo und ihrem Partner Benedikt Schwarz, beide große Verfechter des Realnamens. Ich glaube, dieser Ansatz hat auch viel mit dem zunehmenden Einfluss von Tribal und Tribal Fusion zu tun, denn hier treten große Künstlerinnen tatsächlich unter ihrem Geburtsnamen auf. Ich finde den Ansatz durchaus interessant und reizvoll, andererseits muss man aber auch zugeben, dass manche Geburtsnamen einfach schöner und passender sind als andere. Mit „Tanja“ könnte ich mich irgendwie immer noch nicht anfreunden.

Es stellt sich ja auch die Frage, ob das da oben auf der Bühne überhaupt „Tanja“ ist. Oder mehr. Oder weniger? Ist die Frau auf der Bühne „echt“ oder ein Kunstprodukt? Eine interessante Frage, der ich auf  jeden Fall später noch mal nachgehen will.

Wie seht Ihr das? Künstername, ja oder nein? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Hüftschwingende Grüße

Eure Asherah

7 thoughts on “Die Sache mit dem Künstlernamen

  1. Ganz klar Künstlername. Du schaffst mit deinem Auftritt Stimmungen, weckst Emotionen. Dazu gehört für mich auch ein Ambiente, in dem eine geheimnisvolle Frau mit klangvollem Namen in entsprechenden Gewändern auftritt. Damit nimmst Du uns Zuschauer mit fort aus der Wirklichkeit. Und das ist einfach wunderschön. Auch wenn ich „Tanja“ mag, so kämen wir damit doch vielleicht nur bis Herten-Westerholt statt nach Aminhadra oder so…

  2. Melanie sagt:

    Liebe Tanja,
    wenn man „Arzo“ heißt, hat man leicht reden – das hört sich ja schon an wie der Künstlernamen schlechthin. Auch Männer, die nicht gerade den Traum von 1001 Nacht verkörpern, haben es hier leichter.
    Genauso wie andere Kunstrichtungen (dazu zähle ich auch irgendwie Tribal Fusion usw.) – hier sind Realnamen unproblematisch.

    Aber, eines kann ich Dir sagen: Niemand, der eine orientalische Tänzerin sucht (und vielleicht auch noch Türke oder Araber ist), bucht eine Frau Meier…

    Also: Je nach Ausrichtung/Tanz-/Kunstform muss ein Künstlername her. Der Name/die Bezeichnung gehört zum Gesamtkunstwerk dazu.
    Und, was spricht eigentlich dagegen?

    Den Künstlernamen braucht es aber nicht wg. der Anonymität, die gibt es seit dem Internet nicht mehr. Auf jede Internetseite einer Tänzerin gehört ein vollständiges Impressum inkl. Realnamen (es sei denn, ich habe mir die Mühe gemacht und den Künstlernamen in den Personalausweis eintragen lassen). Jeder, der wissen möchte, wer die Tänzerin da vorne auf der Bühne ist, kann das sogar während des Auftrittes mittels mobilen Internets herausfinden.

    Liebe Grüße,
    Melanie (Meier – ja, wirklich…)

  3. Nahid Safija sagt:

    Mein Künstlername ist für mich selbst auch wichtig. Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich jemand anders. Da witzel ich auch schon mal nach dem Motto „Die zwei Leben der Stefanie B.“
    Denn da, wo ich im „zivilen“ Leben eher ruhig und zurückhaltend (vielleicht sogar ein bisschen schüchtern) bin, verwandle ich mich bei einem Auftritt in einen vollkommen anderen Menschen. Und da gehört eben auch ein passender Name dazu.

    LG
    Nahid Safija

  4. Für mich ist es auch ganz klar PRO Künstlername, dann als „Natascha Ratzlaff“ will ich nun wirklich nicht auftreten, zumal ich auch nicht so wirklich Natascha bin, wenn ich auf der Bühne stehe, da stimme ich Nahid völlig zu.

    Herzliche Grüsse
    Natascha – Morpheia🙂

  5. Arzo sagt:

    Ach? Arzo ist der ungeeignetste nom de guerre schlechthin. Welcher Moderator schafft es schon, ihn richtig auszusprechen? „Es tanzt für Sie: Atzo Renz, Besitzerin des Studios Le Seppent Blank, mit ihrer Gruppe, äh, Petersilea! …“😛

  6. Esther sagt:

    Tatsächlich bin ich auch pro Künstlername, nicht wegen der Anonymität der Tänzerin, sondern viel eher wegen der Atmosphäre (genügend Beispiele wurden dafür ja schon genannt), der Tatsache, dass man auf der Bühne auch mal „anders“ sein will und das mit einem Namen unterstreicht (auch schon oben genannt) und zu guter Letzt… oh mein Gott… man kann sich nen mega tollen Namen für einen ausdenken, wie cool ist das denn!!!

    PS: Die Gruppe Petersilie ist durchaus interessant (;

  7. Peter Seiser sagt:

    Eine Betrachtung von meiner Homepage zum Thema :
    Irgendwann kommt eine Zeit, da ist es nicht mehr schön als Kathi, Günther oder Elfi aus der Heimatstadt aufzutreten.
    Ein Künstlername verbindet zwei Funktionen, zum Einen hast Du ein Image, dass einzigartig ist und jeder mögliche Veranstalter in Deinem Umfeld kennt. Zum anderen bist Du von der Öffentlichkeit ein wenig abgeschirmt, weil Du nicht mit Deinem privaten Namen bekannt wirst.
    Im Internet findet Ihr viele arabische Namen mit den dazugehörigen Bedeutungen. Ein Künstlername muss (soll) zu Dir passen und er muss (soll) vor allem Dir gefallen.
    Achte darauf, dass der Name nicht geschützt ist, das heißt, das ihn ein/e Tänzer/in in nächster Nähe bereits seit längerem benützt. Denselben Namen zu verwenden wie die/der Tänzer/in im Ort nebenan kann einem viel Ärger bereiten. Es kann zu un- oder auch absichtlichen Verwechslungen kommen und der ältere Inhaber kann auf Schadenersatz durch entgangene Auftritte und Gagen bestehen.
    Auch sehr beliebte Namen sollte man vermeiden, es gibt zu viele Leute denen zum Thema Orient halt nur Kleopatra oder Suleika einfallen, da kann leicht der Eindruck der Einfallslosigkeit angeheftet werden.
    Mit einem Doppelnamen kann man sich vor irrtümlicher Verwechslung an sich gut schützen und dabei einzigartig werden. Daran denken muss man aber, dass der Name nicht zu kompliziert wird, also Patritzia Sahrah Müller-Westernhausen sollte zumindest um 2 Wörter reduziert werden. Damit ergibt sich mit Sahrah Patrizia ein kürzerer Künstlername, zugleich leichter zu merken und aus zusprechen ist. Optimal, wenn die Tänzerin auch noch mit richtigem Namen nur entweder Sarah oder Patrizia heißt.
    Wenn man angekündigt wird, ist ein/e Moderator/in nicht unbedingt der arabischen Sprache mächtig oder gar ein/e Araber/in und kann Dich auch nicht immer vorher fragen wie man Deinen Namen richtig ausspricht.
    Leztlich soll man darauf achten, dass ein Künstlername im deutschsprachigen Raum, wenn Du weitere Auftrittsorte anreist auch in den jeweiligen Sprachen, keine negativen Besetzungen hat, ich sage jetzt mal in der Zeit der Mubarak-Prozesse (2011 – 2012) ist Hosni nicht überall positiv besetzt. Im Laufe der Geschichte werden sich die Beispiele ändern, eben in unserer Zeit Muamma wie Gaddafi ist zur Zeit (2012) auch ähnlich negativ besetzt.
    Eine andere Möglichkeit sich eine Anonymität im Rahmen einer öffentlichen Präsents zu schaffen ist ein Image.
    Ich habe mit Dance Habibi als E-Mail und Homepage mit vielen Anmeldungen das Image ich bin Dance Habibi aufgebaut. Auch das ist möglich, seltener und hat damit mehr Werbewirksamkeit und kommt nicht so oft in Kollision mit Anderen.
    Dance Habibi hat den Sologan Dynamic Emotion Movement, woraus sich meine 2. Homepage dynamic-emotions.repage.de, wieder mit viel Info entwickelt hat.

    Seit einiger Zeit, auch mit einigen Auftritten habe ich allerding vom Image Dance Habibi zum Tänzer Seiser Dance gewechselt, weil ich eben mehr Persönlichkeit zu meinem Umfeld bringen möchte.
    Schöne Grüße Peter Seiser

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