Trainingstipps: Korrigiere Dich nicht selbst

In meinen Kursen erlebe ich immer wieder folgendes Szenario: Wir lernen gemeinsam eine neue Bewegung oder frischen eine alte auf. Nachdem ich die Bewegung in ihre Einzelheiten zerlegt und erklärt habe und wir eine Weile gemeinsam geübt haben, lasse ich meist die Schülerinnen noch eine Weile weiter üben und gehe von Frau zu Frau durch den Tanzsaal, um jede Schülerin individuell zu unterstützen. Dabei kommt es mindestens einmal vor, dass eine Frau, die merkt, dass ich mich ihr nähere, die Übung mit den Worten „ich weiß, das ist falsch“ abbricht. Dieses Verhalten erstaunt mich immer wieder auf’s Neue. Verstehen wir uns nicht falsch – ich bin uneingeschränkt dafür, dass meine Schülerinnen aufmerksam an sich arbeiten, in sich hineinspüren und/oder sich im Spiegel kontrollieren, wie und ob sie mit der Bewegung zurecht kommen. Bei dem genannten Beispiel liegt der Fall aber ganz anders: Denn erstaunlicherweise macht die betreffende Frau in 9 von 10 Fällen überhaupt gar nichts falsch. Vielmehr scheint es so, als käme hier ein generell schlechtes Selbstbild zum tragen („Ich mach sowieso nichts richtig.“) sowie eine prinzipielle Überforderung mit „Prüfungssituationen“ – wobei  es sich ja gar nicht im eigentlichen Sinne um eine solche handelt. Mit dem Satz „Ich weiß, das ist falsch.“ wird versucht, der eigentlichen Beurteilung als solcher zu entgehen und der vermeintlich schlechten Einschätzung durch die Lehrerin zu entgehen, indem man ihr vorgreift.

Deshalb hier mal in aller Deutlichkeit eine wichtige Regel für alle Schülerinnen dieser Welt:

Entschuldigt Euch nicht im Vorfeld für Eure Fehler!

Denkt bitte immer an folgendes:

  1. Ihr dürft Fehler machen. Ihr seid Schülerinnen. Selbst wenn Ihr Profis seid, dürft Ihr Fehler machen. Jeder Mensch macht Fehler. Das ist völlig in Ordnung.
  2. Die Korrekturen Eurer Lehrer sind nicht dafür da, Euch zu demütigen. Wenn sie es dennoch tun: Such Dir andere. Ansonsten nimm ihre Ratschläge an und wachse daran.
  3. Ihr könnt Euch nicht von außen sehen: Eure Lehrer können erkennen, ob Ihr gerade etwas grundsätzlich falsch macht (und eine Korrektur braucht) oder ob Ihr vom Grundaufbau alles richtig macht, aber noch ein bißchen Übung braucht. Vertraut ihrem Urteil!
  4. Eure Lehrer wissen – im Gegensatz zu Euch selbst – noch ganz genau, wo und wie Ihr angefangen habt. Sie sehen Eure  Fortschritte viel deutlicher als Ihr selbst und sind stolz auf Euch, auch wenn etwas vielleicht noch nicht perfekt ist.
  5. Und zu guter Letzt: Ihr bezahlt uns genau dafür – also nehmt uns nicht unseren Job weg😉

 

Wie seht Ihr das? Könnt Ihr Korrekturen von Euren Lehrern gut annehmen oder fühlt Ihr Euch unwohl dabei?  Ich bin gespannt auf Eure Rückmeldungen!

Hüftschwingende Grüße
Eure Asherah

5 thoughts on “Trainingstipps: Korrigiere Dich nicht selbst

  1. Peter Seiser sagt:

    Leider kann ich aus meiner Erfahrung nicht zustimmen, weil es geht auch ganz anders.
    Zu den einzelnen Punkten :
    1. Ihr dürft Fehler machen, selbst als Profi – nur wer seine Fehler kennt, die er gemacht hat, kann daraus lernen. Ich sehe es sehr wichtig „seht Eure Fehler mit eigenen Augen“
    Ich bin möglicherweise ein sehr schwieriger Schüler, weil ich sehr genau weiß was ich NICHT kann und daher nie überrascht bin, etwas üben zu müssen (sollen).
    2. Manchmal ist so eine Kritik leider notwendig, um zu zeigen wer die Lehrer/in ist, dann ist der Punkt ungültig, weil weder demütigen stimmt noch ist das Verhalten als Vorbild geeignet.
    3. Für mich der wichtigste Punk, dazu gibt es unterstützend heute relativ preiswert Videotraining, auch zu Hause, um Fehler zu korrigieren, die nur andere sehen.
    4. Leider kann ich diesen Punkt nicht voll nachvollziehen, weil ich erfahren habe, es gibt auch Lehrer/innen, die stolz darauf sind, was Schüler/innen NICHT gelernt haben. Eine meiner Lehrerinnen hatte eine Privatschülerin schon an die 10 Jahre mit mäßigem Erfolg.
    5. Ihr bezahlt uns genau dafür ?
    Leider habe ich bei einem bezahlten Coaching erleben müssen, dass die Lehrerin meinte : „ die Bewegung passt hier (zu der Lied-Passage) nicht „ – „aber ich wüsste schon was ich da tanze, aber ich zeig es Dir nicht. “ ?
    Anmerkung : Ein Lehrer (Ägyptischer Tänzer) hat mir keinen Monat später zu der gleichen Passage bestätigt : passt für Ihn.
    In diesem Fall stimmt Punkt 5 nicht, obwohl ich jeder Schüler/in wünsche, dass sie/er nur Lehrer/innen finden, bei denen der Punkt auch wirklich stimmt.

  2. Pet`Ra sagt:

    Zu 1. Fehler ist zu negativ behaftet. Es wird etwas anders – was durchaus auch schön sein kann – gemacht, was sich mit Training korrigieren lässt. Von „Fehlern“ würde ich im Unterricht nicht sprechen wollen.
    Zu 2. Frauen nehmen Kritik recht persönlich (im Gegensatz zu Männern). Deshalb „mir gefällt Deine Fußausrichtung nicht so gut, ich liebe/mag Dich aber trotzdem“😉 Wir kritisieren nicht, wir geben Hilfestellung für das körperliche Wohlbefinden und Trainingserfolg.
    Zu 3. Die Schüler müssen schon Vertrauen haben, sonst sind sie bei der falschen Lehrerin. Darum ist es gut zu wissen, warum man etwas so oder so beibringt.
    zu 4. Wer sich für perfekt hält, wird nie wieder etwas dazulernen, wenn man als Lehrerin auch Fehler zugibt, ist das alles kein Problem.
    zu 5. Die werden zu „Guru`s“ und tappen in genau diese Falle ohne es zu merken, dieses Verhalten kann man aber in allen Berufsfeldern gut beobachten. Das führt in absehbarer Zeit zum Bruch mit den Schülern und, wenn es sehr ausartet (besonders schlimm) zu übler Nachrede, Hass und Unfrieden. Damit ist niemandem gedient.

    • Peter Seiser sagt:

      Hallo Pet´Ra !
      Ich muss Dir zu Deinem Beitrag unbedingt recht geben, die Beschreibung des 5. Punktes ist leider eine Tatsache, mit der viele Menschen zu kämpfen haben. Alle negativen Erinnerungen an die Zeit (trotz aller negativen Aspekte, war diese Zeit jahrelang sehr schön) sind immer stärker als die Positiven. Immer dann wenn sich aus dem Negativen eine Erinnerung ergibt, muss ich mich bewusst zurückhalten um nicht klar zu sagen was im Einzelnen passiert ist.
      Mit der Beschreibung wollte ich nur zum Denken anregen, keine Lehrerin soll schlecht hingestellt werden, schon gar nicht bevor ich sie kenne und weis wovon ich rede, aber es gibt auch solche Überraschungen.
      Nicht mit Tanzen in Zusammenhang steht auch eine extrem negative Überraschung von einem Freund, der bei mir ein und aus gegangen ist. Es ist nur menschlich und soll beim Tanzen nicht ignoriert werden.
      LG Peter

  3. Sira sagt:

    Mir ist es einmal passiert, als ich in nem Choreo-WS war und mit Abstand die unerfahrenste Tänzerin, dass die Dozentin mich als Negativbeispiel immer wieder vorgeführt hat. Das war von ihr nicht so böse gemeint wie es sich anhört. Trotzdem fand ich es echt nicht lustig. Zumal: Eine 5:30 Choreo in 3 h-> Als hätten die anderen da ne bessere Figur gemacht.
    Ja, wir Frauen sind teilweise sehr sensibel und was noch hinzu kommt, zu mindestens bei mir, ist das beim OT so viel Seele mittanzt, natürlich will ich nicht hören, dass meine Seele Fehler macht bzw. schafft man es nicht bei jeder Dozentin immer sich fallen zu lassen und fühlt sich dann erst recht schlecht, weil man spürt, dass man es besser machen könnte… So geht es mir auf jeden Fall. Aber das ist wieder ein Thema für sich…
    Was dann noch hinzukommt, dass manche Dozenten auf so einem hohen Sockel stehen (warum auch immer), dass man sich schnell immer wieder auf dem niedrigsten Sockel sieht.
    So viel zu meinen Erfahrungen. Ich bin ja viel auf Workshops unterwegs, da bekommt man verschiedene Stile mit. Im Großen und Ganzen überwiegen aber die positiven Erfahrungen, vielleicht weil ich mir meine Dozenten mittlerweile wohl überlegt aussuche. Ich finde es schön, wenn meine Lehrerin mich als Tänzerin wahrnimmt, mich korrigiert, aber sie muss auch mal ein gutes Wort für mich übrig haben. Wie du schon schreibst, ich bezahle sie dafür und natürlich will ich auch von meinen Fortschritten hören😉
    Von solchen gehässigen Lehrern wie Peter sie erwähnt, bin ich bisher zum Glück verschont geblieben o0 Bei so jemanden würde ich es aber auch nicht lange aushalten. Und nein, ich will nicht immer nur mein Ego gestreichelt bekommen, falls das jemand denkt. Ich will als Tänzerin wahrgenommen werden!

    Liebe Grüße
    Sira

    • Peter Seiser sagt:

      Hallo Sira !
      Ich sehe es als unumgänglich an, dass ein/e Schüler/in zum lernen erfährt was sie/er richtig macht, aber auch was sie/er falsch macht. Es soll aber taktvoll rüberkommen. Du kannst natürlich sagen “ eine Bewegung ist schwer auszuführen, schau mal…. “ oder Du sagst „kannst Du Dir nicht merken wie das geht ?“
      Eine Schülerin als „NEGATIVBEISPIEL“ zu nehmen zeigt mir nur dass der „DOZENTIN“ das Niveau für den Unterricht absolut fehlt.
      Ich schätze Dozenten, die auch im Workshop mal sagen können „ist mein Fehler!“ Ist nicht nur ehrlich, sondern kommt auch menschlich besser rüber. Damit kann ich auch leichter akzeptieren, selber etwas falsch zu machen. Dadurch baut sich außerdem das Klassensystem etwas ab.
      Trotzdem, Du hast den Vorfall sehr respektvoll beschrieben. Zu Deinem letzten Satz „Ich will als Tänzerin wahrgenommen werden!“ gehört einfach, dass man Dir zeigt kann, was besser aussehen würde, nicht aber wie „SCHLECHT DU TANZT“, weil eigentlich wollen wir das in einem gemeinsamen Workshop ja miteinander (die Dozentin eingeschlossen) ändern.
      LG Peter

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s