Rezension „Tanzen in der Schwangerschaft“

cover_tanzen_schwangerschaftAus gegebenem Anlass habe ich kürzlich das Buch „Tanzen in der Schwangerschaft“ von Kristin Adamaszek erworben. Es ist 2002 bei Ravensburger erschienen, aber leider nur noch gebraucht erhältlich.

Der Titel und der Untertitel „Natürlich fit für die Geburt“ lassen glauben, dass sich der Ratgeber hauptsächlich um die Zeit der Schwangerschaft selbst dreht, dem ist aber nicht so. Zwar macht das Thema „Tanz während der Schwangerschaft“ etwa die Hälfte der knapp 100 Seiten aus, darüber hinaus werden aber auch die Geburt selbst, das Wochenbett und die Rückbildung thematisiert.

Befassen wir uns zunächst mit dem, was die Autorin zum Tanzen in der Schwangerschaft zu sagen hat. Nach einer allgemeinen Einleitung stellt sie der Leserin „Acht Einladungen zum Tanzen“ vor:

  • Eine Entdeckungsreise in das Land des Tanzes
  • Entführung in den orientalischen Tanz
  • Die Kraft der lateinamerikanischen Musik
  • Den eigenen Rhythmus finden
  • Afrikanischen Trommeln nachspüren
  • Neue Ordnungen finden
  • Mit den Armen zur Leichtigkeit
  • Ausruhen im Tanz

Was mir auf den ersten Blick negativ aufgefallen ist, ist der fehlende thematische Zusammenhalt dieser Punkte: Zum einen wird nach Tanzstil/-kultur unterschieden (Orient, Lateinamerika, Afrika), zum anderen nach Körperregionen (Arme) sowie nach übergeordneten Aspekten (Leichtigkeit, Ruhe, Ordnung). Hier hätte ich mir eine einheitlichere Stukutur gewünscht. Zudem fällt auf, dass viele Dinge, die in den einzelnen Kapiteln beschrieben werden, durchaus auch in anderen hätten untergebracht werden können, z.B. kennen alle Bauchtänzerinnen auch das „Salsaschaukeln“ auf Seite 28.

Wenn man sich Punkt 2, „Entführung in den orientalischen Tanz“ ansieht, wird schnell klar, dass die Autorin einen völlig anderen Zugang zum Orientalischen Tanz hat, mit dem sie erstmals im Jemen in Berührung kam, wo sie als Hebamme arbeitete. Bauchtanz, wie er in diesem Kapitel vorgestellt wird, hat wenig mit dem Raks Sharqi der westlichen Bühnen zu tun, was Adamaszek auch selbst betont: „Sie sollen den orientalischen Tanz anders erleben als er in manchen Bauchtanzstudios gelehrt wird, wo es darum geht, zu lernen, Körperteile in der Bewegung voneinander zu isolieren.“ Als sinnvolle Bewegungen nennt sie Hüftkreise, – achten und -schaukeln, die sie zwar wenig technisch, aber dafür mit sehr stimmigen Bildern umschreibt.

Schnell wird klar, dass das Buch sich nicht an (Hobby- oder Profi-)Tänzerinnen richtet, sondern eher an Frauen, die bislang wenig oder gar nicht getanzt haben. Tänzerinnen finden hier wenig Informationen, wie sie mit ihrem bisherigen Tanztraining in der Schwangerschaft fortfahren könnten. So fehlen z.B. in den Kapiteln über die Schwangerschaft sämtliche Hinweise auf zu vermeidende Bewegungen.

Frauen, die schon länger tanzen, können aber trotzdem ein paar Denkanstöße durch die Lektüre mitnehmen und ihren Tanz auf neue Art erfahren. Für die Autorin impliziert tanzen viele Aspekte, die unmittelbar mit Schwangerschaft und Geburt zu tun atmen, wie etwa

  • atmen
  • bewegen
  • loslassen / halten
  • aufrecht sein

Dieser ganzheitliche Ansatz hat mir gut gefallen. Gut fand ich auch das Kapitel „Besondere Schwangerschaftszustände und Tanz“, das bestimmte schwangerschaftstypische Beschwerden und ihre mögliche Linderung durch Tanz aufzählt. Die Idee mit dem Sitzball hat es mir angetan und ich habe schon einen besorgt, um es auszuprobieren. Ob die Tanzbewegungen des Beckens dem Baby helfen werden, sich während der Entbindung durch den Geburtskanal zu drehen, werde ich noch austesten😉

Eher unschön fand ich jedoch die pseudohistorischen Anmerkungen zum Ursprung des Bauchtanz („Früher tanzten Menschen für … gutes Gelingen der Geburten, Gesundheit der Mutter und gutes Gedeihen der Babys.“) sowie die erzwungene Verbindung der Worte Kreißsaal (Entbindungsort) und kreisen (Bewegung des Beckens beim Tanz), die ethymologisch einfach inkorrekt ist.

Nervtötend waren meiner Meinung die vielen Wiederholungen (diverse Aussagen werden in den verschiedensten Kapiteln aufgewärmt) sowie die Einbindung verschiedener Aspekte, die nichts mit dem Thema des Buches zu tun haben und mir wie eine Art Lückenfüller vorkamen, z.B. der ständige Hinweis, dass Singen während des Tanzens eine tolle Sache wäre.

Außerdem hätte ich mir ein übergreifendes Kapitel zum Thema „Haltung“ und weiterer physiologischer Aspekte gewünscht und nicht nur über das ganze Buch verstreute einzelne Hinweise.
Fazit:
Kein Buch für Frauen, die sich schon vor ihrer Schwangerschaft mit Orientalischem Tanz befasst haben. Eventuell hilfreich für Dozentinnen, die Tanzkurse für Schwangere anbieten möchten.

Hat jemand von Euch das Buch gelesen? Wenn ja, wie ist Eure Meinung? Freue mich über Feedback!

Hüftschwingende Grüße
Eure Asherah

One thought on “Rezension „Tanzen in der Schwangerschaft“

  1. […] war ich beim tanzen gerade so happy wie schon lange nicht mehr. Wie bei der Rezension zum Buch “Tanzen in der Schwangerschaft” versprochen, habe ich auch das Tanzen mit einem großen Gymnastikball ausprobiert und muss sagen, […]

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