An meine Schülerinnen

(Meine Abschlussrede – für alle, die nicht zur Party kommen konnten)

Meine lieben Schülerinnen oder ich sage lieber „Mit-Tänzerinnen“,

es ist jetzt genau acht Jahre her, dass ich begann, das ehemalige Atelier eines Fotografen mit bunter Farbe, Wandtattoos und Spiegeln umzugestalten. Zunächst gar nicht als reines Tanzstudio gedacht, gingen wir mit nicht mehr als drei Kursen an den Start.

Über die Jahre sammelten sich immer mehr Dinge an: Orientalische Dekogegenstände. Auftrittsfotos. Postkarten. Tanzaccessoires vom Schleierfächer bis zum Vertikaltuch. Und immer mehr Tänzerinnen fanden ihren Weg zu mir, die meisten von ihnen noch gar nicht gewahr, dass sie welche waren. Gemeinsam haben wir die Hüften geschwungen und die Poles erklommen, sind zu Boden gegangen und haben uns die Lüfte erhoben. Haben getanzt, gelacht und manchmal auch geweint. Und haben das Studio zu „unserem“ Studio gemacht.

Es gibt nur eine einzige Entscheidung, die mir in meinem Leben schwerer gefallen ist, als die, die uns heute abend hier zusammenführt. Doch manchmal kann man nicht länger den Kopf in den Sand stecken, sondern muss der Wahrheit und der Veränderung mutig ins Gesicht blicken.

Ich habe in letzter Zeit sehr viel nachgedacht. Nicht nur über Finanzen, Kalkulationen und Geschäftsmodelle. Sondern auch über mich, darüber, wer ich bin. Die meisten Menschen hier und auch „da draußen“ kennen mich als Tänzerin. Als Chefin der Samtschlangen und als Betreiberin dieses Studios. „Eine Tanja ohne Tanzen gibt es nicht“, hat mal jemand gesagt.

Ist tanzen meine große Leidenschaft?

Vor einiger Zeit hätte ich diese Frage mit einem lauten „ja“ beantwortet. Doch wenn ich darüber nachdenke, wieviele einschlägige Festivals und Shows ich in den vergangenen Monaten besucht habe, komme ich ins Grübeln. Auch muss ich zugeben, noch nie in meinem Leben so hart trainiert zu haben, dass ich meine Arme in Eiswasser hätte tauchen müssen wie Lois Fuller.

Meine größte Leidenschaft, das, wofür mein Herz wirklich brennt – das ist nicht das Tanzen, habe ich erkannt.

Ihr seid es.

Euch auf Eurem tänzerischen Weg zu begleiten – der nie nur ein tänzerischer ist – ist und bleibt eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben machen durfte. Ihr habt mich tänzerisch und menschlich an meine Grenzen und darüber hinaus getragen und dafür danke ich Euch. Ich danke Euch dafür, dass Ihr Euch auf das Abenteuer hier eingelassen habt und dass Ihr mir Euer Vertrauen geschenkt habt.

Wer mich kennt, weiß vielleicht um mein Lieblingsmotto: Niemand kann mir nehmen, was ich getanzt habe.

Heute möchte ich das erweitern: Niemand kann UNS nehmen, was WIR getanzt haben.

Auch wenn die Zeit im Studio heute zu Ende geht, wollen wir nicht traurig sein. Wir wollen feiern, dass wir uns gegenseitig das Geschenk des Wachsendürfens gemacht haben, in jeglicher Hinsicht.

Ich erhebe mein Glas auf die besten Schülerinnen, die eine Tanzlehrerin jemals hatte.

Eure Asherah

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